Unsorgfältige Aussagen von economiesuisse – Schade!
Mit der Studie von economiesuisse wurde vor einigen Tagen dargelegt, dass eine Minderheit den grossen Teil der Staatseinnahmen bestreitet. Der Verband folgert daraus, dass das Steuersystem solidarisch sei. Dies mag vielleicht so sein. Mich irritiert aber, dass economiesuisse für eine „knackige“ Aussage die Zahlen so beugen musste, dass die Unternehmen zu den reichsten natürlichen Personen gezählt werden. Schade – denn so geht sehr viel Objektivität unnötig verloren. Und die Frage der Solidarität lässt sich daraus nicht einfach ableiten; auch nicht mit der geplanten Studie, wer wieviel von den Staatsleistungen profitiert.
Vielmehr muss man die Einkommens- und Vermögensverteilung gegenüberstellen. Aus einer kürzlich vom Bundesamt für Statistik publizierten Analyse „Finanzielle Situation der privaten Haushalte“ sind in diesem Zusammenhang einige Fakten interessant: Sozialversicherungsabgaben und direkte Steuern belasten den ärmsten Viertel der Haushalte mit rund 24% ihres Bruttoeinkommens, während der reichste Viertel der Haushalte mit rund 26% belastet wird. Die Verteilung des Bruttoeinkommens sieht aber wesentlich anders aus. Dem ärmsten Viertel stehen 13%, dem reichsten Viertel 40% des Gesamteinkommens zur Verfügung.
Die Aussagen von economiesuisse sind vor diesem Hintergrund unsorgfältig – und dies erst noch im Wahlkampf. Ja, ich glaube, der Verband hat damit stark an Glaubwürdigkeit verloren. Schade, denn wer soll in Zukunft für den Staat und Politik ein zuverlässiger Ansprechpartner in Wirtschaftsfragen sein?
Geheimplan gegen Christoph Blocher? Neiaberau!
Neiaberau, das schlägt jetzt dem Fass wirklich den Boden aus! Christoph «Sherlock» Mörgeli hat aufgedeckt, dass es ein Geheimplan der bösen, bösen Linken gibt, um Bundesrat Christoph Blocher aus dem Bundesrat zu drängen. Als Beweis präsentiert er ein SP-Plakat, welches das inzwischen schweizweit bekannte Schäfli-Plakat der SVP parodiert. Ohne Zweifel: Das Plakat ist ein schlagender Beweis dafür, dass die SP Christoph Blocher nicht im Bundesrat will. Nur: Was ist daran geheim? Die SP hat vor vier Jahren Christoph Blocher nicht gewählt, sie wird ihn auch diesmal nicht wählen. Daraus hat sie nie ein Geheimnis gemacht und wo kein Geheimnis ist, kann es auch kein Geheimplan geben. Auch passt die Argumentation von Mörgeli nicht in seine sonst übliche Logik: Er und seine Nachplapperer werden ja nicht müde, immer und immer wieder zu betonen, was die Schweiz alles an Schlechtem den Linken zu verdanken hat. Dabei haben die bösen, bösen Linken ja weder im Bund noch im Kanton Zürich eine Mehrheit. Der Schluss daraus kann eigentlich nur sein, dass der SVP-Chefideologe der Meinung ist, die SP agiere so clever, dass sie ihre Positionen sogar aus einer Minderheitenposition heraus durchsetzen kann. Für jemand der so clever ist, wäre es dann ja aber wiederum ziemlich dumm, einen vermeintlichen Geheimplan auf ein Plakat zu drucken, oder? Mein erstes Fazit: Die SVP versucht dem Stimmvolk mal wieder Sand in die Augen zu streuen. Und mein zweites: Nicht jeder Historiker ist zum Detektiv geeignet und Dr. Mörgeli wohl eher ein Dr. Watson…