Abgelegt unter: Julia Amherd
Als Gemeinderätin und Mitglied der Kommission für Soziales und Gesundheit der Stadt Uster erstaunt mich die Protestaktion der Pflegenden gar nicht. Anlässlich der Besprechung des Geschäftsberichtes und der Jahresrechung 07 habe ich bereits im Mai 08 bei den Verantwortlichen explizit nachgefragt, was unternommen wird, um das Personal während der Umbauphase zu entlasten. Dabei wurde ich auf das Gesundheitsförderungsprogramm namens „Balance“ verwiesen. Umso mehr hat mich die Protestaktion von der ich unmittelbar von BerufsschullehrerInnenkollegInnen in Kenntnis gesetzt wurde, beeindruckt!
Pflegende sind nämlich nicht die Klassiker unter den Protestierenden und Streikenden in unserem Land. Sie sind eher die stillen “Krampferinnen”. Zumal es schwierig ist, den sich in regelmässigen Abständen wiederholenden Personalmangel auszugleichen und sich nebenbei noch berufspolitisch zu engagieren. Die Welt der Pflege kenne ich aus meiner 10jährigen Berufserfahrung als Pflegefachfrau nur zu gut. Flexibilität, angepasstes Denken und Handeln, schnell auf das wechselnde Gegenüber mit seinen Bedürfnissen eingehen- das ist Pflegealltag. Umso mehr befremdet es mich wenn in der aktuellen Berichtserstattung (AvU, 12.8.08) zu lesen ist, dass ein Grund für die Protestaktion die vermehrt vom Personal geforderte Flexibilität sein könnte. Flexibiliät bei Pflegenden? Das ist die Berufsgruppe die neben den Hausfrauen und Müttern als superflexibel bezeichnet werden kann. Aber was ist den genau mit dieser Flexibilität gemeint? In den Printmedien ist zu lesen, dass die Pflegenden z. B. am Morgen zur Arbeit erscheinen und dann erfahren, dass sie anstatt “Im Grund” ins “Dietenrain” arbeiten gehen müssen. Hört sich in der Theorie einfach und logisch an: wenn hier zu viel und da zu wenig dann wird umverteilt. Die Crux am Ganzen: es sind Menschen die in einem Team arbeiten (Pflege ist Teamwork) und es sind Menschen die in einer pflegerischen Beziehung zu Bewohnerinnen und Bewohnern stehen (Langzeitpflege). Der Austausch von Personal wurde und wird in verschiedenen Institutionen immer wieder versucht. Die Zufriedenheit der Angestellten bewegt sich dabei auf dem Gefrierpunkt.
In den Heimen der Stadt Uster streben wir den Qualitätstandard „angemessene Pflege“ an. Das heisst, wir möchten, dass die persönlichen Gewohnheiten unserer Eltern die im Pflegeheim leben, berücksichtigt werden. Wir möchten, dass sich professionelle Pflegende um unsere Eltern kümmern- den deshalb leben sie im Pflegeheim und nicht zu Hause! Dieser Qualitätsstandard setzt das Vorhandensein von professionell ausgebildetem Pflegepersonal voraus und genau dieses ist Mangelware in unserem Kanton- einmal mehr. Das allein ist ein Grund genau hinzuhören…